Der Hajk der Pfadistufe

Erschienen am 23. November 2013 in Berichte

aron

 

Was ist der Unterschied zwischen einem Hajk und einem Lager? Für alle nicht Pfadfinder: Ein Lager ist ein festes nun ja Lager. Man schläft zum Beispiel bei einer Waldhütte, macht dort sein Programm, wandert ein bisschen und sitzt abends wieder am Lagerfeuer. So wie bei unserer Georgsburg zum Beispiel. Man bleibt an einem Punkt und kehrt immer wieder dorthin zurück. Ein Hajk ist etwas vollkommen anderes. Bei einem Hajk wandert man von Schlafplatz zu Schlafplatz. Es kann eine Hütte sein, ein Campingplatz oder einfach nur eine halbwegs ebene Stelle mit genug Platz zum Zelt aufschlagen. Bei einem Hajk schläft man jede Nacht wo anders. Alles was man braucht trägt man auf seinem Rücken mit sich rum und es liegt an einem selbst wie weit man läuft und wie viel man trägt. In dem vergangenen Monat fand der Hajk der Pfadfinder statt.

 

Lange Zeit war das Ganze als Programmpunkt geplant. Nach unzähligen Gruppenstunden, es war unser erstes, wirklich eigenständiges Lager, fanden sich am 04.10.2013 drei tapfere Pfadfinder und ein ahnungsloser Leiter, er war nur mitgekommen weil wir jemanden über achtzehn Jahren brauchten und wir ihm gesagt haben er müsst überhaupt nichts machen, außer am Hauptbahnhof zu Erfurt sein. Wir fuhren mit dem Zug zum Bahnhof von Oberhof im Thüringer Wald und kamen dort sage und schreibe achtzehn Uhr fünfzehn an. Zuerst ging es langsam den Berg hinauf. Dabei machten wir ein paar erstaunliche Entdeckungen; wie das zwei von uns keine Wanderschuhe dabei hatten, wir keinen Klappspaten und Klopapier besaßen, drei von vier Leuten keinen Platz für Gemeinschaftsgepäck mehr hatten und wir niemals genug Heringe für eine Kohte besaßen. Super. Nach ungefähr einer Stunde Wanderung fing es an zu dämmern und der Forstweg den Berg hinauf wollte kein Ende nehmen. Also schlugen wir schon nur noch im letzten Licht des Abends unsere Zelte bei einer Baumschule auf, was eine gute halbe Stunde in Anspruch nahm, aßen unser Abendbrot, und kuschelten uns in unsere Schlafsäcke.

 

Der nächste Morgen brachte die Ernüchterung das wir erstens: kein Brot mehr besaßen, also bis nach Gehlberg wandern mussten um zu Mittag zu essen und das wir am Vortag nicht einmal zwei Kilometer hinter uns gebracht hatten. Jetzt hieß es das wieder auszugleichen. Bis Gehlberg waren wir ungefähr drei oder vier Stunden unterwegs. Dort kauften wir uns Brot und füllten unsere Wasserflaschen auf. Bis dahin hatte die Sonne geschienen oder es war zumindest bedeckt gewesen. Nach ungefähr einer weiteren halben stunde Wanderzeit begann es zu regnen. Und bis zum Ende des Tages hörte es nicht mehr auf. Mal war es dichter Landregen, mal winziger Nieselregen. Der gesamte Wald war nass, die Rucksäcke waren nass und wir, wir waren auch nass. Ich glaube das einzige was wirklich komplett trocken blieb war der Kopf unseres Leiters den er durch einen Cowboy-Filzhut schützte. Je länger wir wanderten desto mehr kippte die Stimmung. Uns war klar dass wir am Ende Ilmenau noch am Samstag erreichen würden. Anfangs spielten wir mit dem Gedanken kurz vor Ilmenau unser Lager aufzuschlagen und am Sonntag dann noch weiter Richtung Erfurt zu wandern. Doch bald war klar das der gesamte Wald nass war. Hier konnte man kein Lager aufschlagen. So stiegen wir in Ilmenau um ungefähr neunzehn Uhr in den Zug nach Erfurt. Unsere letzten Reste teilten wir unter einander auf. Eigentlich war für Samstagabend ein warmes Gericht eingeplant aber das brauchten wir nun wirklich nicht mehr. Es war unser erster selbstorganisierter Hajk und ich muss sagen es hätte noch ein ganze Menge mehr schief laufen können. Wir haben unsere geplante Dreitages tour an einem Tag gelaufen, wenn man die zwei Kilometer vom Freitag nicht mitzählt, und das ist doch mal eine Leistung, oder?

Bildrechte:
Blick auf Thüringer Wald CC by oberhoftourismus

 

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